Film-Newsletter

Festival-Saison in Ostasien
Putting the Ma in cinema

 
Filmnewsletter November

Liebe Filmfreunde,

Im November-Newsletter geht es vor allem um eins: Filmfestivals! Das erste Pingyao International Film Festival ist gerade zuende gegangen, und das Busan-Filmfestival war wie immer im Oktober ein großes Thema in Debatten rund um die Zukunft des asiatischen Kinos. Ansonsten ein bisschen Pop-Kultur mit Billionär Jack Mas Filmdebüt und die Fernsehtipps!
Festival-Saison in Ostasien
Das viel diskutierte Busan International Film Festival fand Mitte Oktober wieder in der südkoreanischen Stadt statt. Von Manchen als „low-key“ Version des jährlichen Festivals beschrieben, kam es doch auf einen höheren Zuschauerstrom als im letzten Jahr. Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals wurden zwei Filme unter weiblicher Regie für Anfang und Ende der Veranstaltung ausgewählt: Glass Garden (유리정원, 2017), ein mysteriöses Drama über eine Wissenschaftlerin, die sich – von der Welt enttäuscht – in einen von Glas umgebenen Garten zurückzieht, von der Regisseurin Shin Su-won 신수원 eröffnete das Kinoevent. Sylvia Changs 张艾嘉 krönender Festivalabschluss beschäftigte sich mit zeitgenössischen Fragen rund um Polygamie und Geschlechterrollen in ihrer chinesisch-taiwanesischen Produktion Love Education (相爱相亲, 2017). Was passiert, wenn man die Beisetzung seiner Eltern vor der anderen Ehefrau seines Vaters verteidigen muss? Genau diese Frage muss sich die Protagonistin Huiying (Sylvia Chang) stellen, als sie in ihr Heimatdorf zurückkehrt und mit der polygamen Vergangenheit ihres Vaters konfrontiert wird, die eine frustrierende Jagd nach Heiratsdokumenten durch chinesische Verwaltungsorgane nach sich zieht.
Neben Screenings fand in dieser Festivalausgabe auch die Gedenkfeier an Kim Ji-seok, Gründungsmitglied und Programmchef des Festivals, der dieses Jahr überraschend während des Festivals in Cannes verstarb, statt.

Anfang diesen Monats lief nun endlich auch die erste Ausgabe des Pingyao International Film Festivals (平遥国际电影展 oder in lang: Pingyao Crouching Tiger Hidden Dragon International Film Festival – ja richtig, benannt nach Ang Lees 李安 Blockbuster aus dem Jahr 2000) in der Provinz Shanxi 山西 an. Das Indie-Festival, das von Altmeister Jia Zhangke 贾樟柯 als chinesische Sundance-Version ins Leben gerufen wurde, startete nur kurz nach dem Parteikongress (nachdem es gerade deshalb nach hinten verschoben werden musste) und wurde deshalb von ausländischen Medien direkt unter die Zensur-Lupe genommen. Der Eröffnungsfilm war Youth (芳华, 2017) von Feng Xiaogang 冯小刚, dessen offizielle Veröffentlichung - wie im Oktober-Newsletter besprochen - auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Neben vielen kleinen Produktionen wie Depi (德皮, 2017), ein Beziehungsdrama von Regisseur Hu Yichuan 胡艺川, wurden während des ersten Jahres legitimierende Kinoschlager wie der Kriegsfilm Sky Hunter (空天猎, 2017) mit Fan Bingbing 范冰冰 gezeigt. Den Organisatoren zufolge wurde das Kinofest vor allem von Shanxi-Ansässigen besucht und diente als Treffpunkt für Filmschaffende abseits der großen chinesischen Metropolen. Auch Kinohits aus Cannes und Retrospektiven aus Europe wurden unter der künstlerischen Leitung des Italieners Marco Müller gezeigt.

"It was an important decision you know… In English you could call it a boutique festival. (…) It's probably one of the festivals that all the filmmakers in the world love the best… young viewers, young audiences can access films and filmmakers in an easy going way.”

Zitat von Marco Müller, aus der Global Times, von Wei Xi, 5.11.2017
Zum New York Times Artikel über das Pingyao Festival
Putting the Ma in cinema
 
Der allseits bekannte Alibaba-Gründer Jack Ma 马云 hat sich nun auch im Schauspielern versucht! In einem kurzen Kungfu-Film mit Altmeistern des Disziplins wie Jet Li 李阳中 und Donnie Yen 甄子丹 tritt der Billionär im November als Taiqi-Meister auf – anscheinend ein lebenslanger Traum Mas, der seit jeher Taiqi praktiziert. The Art of Attack and Defence (功守道, 2017) heißt der mysteriöse Schinken über einen Mönch (Li) und den Meister (Ma). Passend zu Mas Image als personifizierte Konsumkurbel ist der Film am „Single’s day“ (11. November), dem chinesischen Shoppingtag à la „Black Friday" in Amerika, in den Kinos angelaufen. Ehrlich gesagt möchte ich Mas moves über die Kinoleinwand nicht verpassen...
Über Mas Film
+++ Wer mal wieder Lust auf große Martial Arts-Kinokunst hat, sollte sich bei uns Once Upon a Time in China (黄飞鸿, 1991) mit Jet Li anschauen ++++ Oder mal was ganz anderes: Das Ministerium für Kultur Taiwan hat in den letzten zwei Jahren ein Cinema Toolkit herausgebracht, eine Reihe mit taiwanesischen Filmklassikern und Dokus von den 1930ern bis heute. Die haben wir wunderbarerweise jetzt auch bei uns! Ein Blick auf die riesige Sammlung bei uns lohnt sich! +++
Zu unserer Filmsammlung
Es ist wie verhext: der November hat filmisch außerhalb vieler Privatsender nichts zu bieten! Dabei bleibt man doch am liebsten zuhause, wenn es draußen nur noch matschig-kalt ist... Ich schlage Kino oder Bibliothekskino vor!!
 
Wann Datum Beginn Ende Sender Titel Teil Bemerkungen
Donnerstag 23.11. 20:15 21:00 NDR Shanghai - Leben in der Glitzerstadt 1 von 1  
Sonntag 26.11. 12:50 13:40 National Geographic Tibet(Tibet's Animal Kingdom) 1 von 2  
Sonntag 26.11. 20:10 21:00 National Geographic Yunnan(Magical Beasts) 2 von 2  
Dienstag 05.12. 07:15 08:00 arte 360 Geo Reportage - Eishockey, Mädchentraum im Himalaya Laufende Serie  
Sonntag 10.12. 19:40 20:00 3sat Schätze der Welt - Das Orchon-Tal, Mongolei Laufende Serie  
Samstag 16.12. 07:00 07:30 ZDFinfo Hungriger Drache - Chinas Gier nach deutschen Firmen 1 von 1  
Samstag 16.12. 10:00 10:45 arte Tibets Antilopen, eine Tierarten im roten Bereich Laufende Serie  
Ich wünsche euch ein paar trockene Novembertage!

Bis dann - Clara
 
 
Zuletzt bearbeitet von: SV
Letzte Änderung: 13.11.2017
zum Seitenanfang/up