Studium

Das Fach Japanologie
Warum Japan?
Zielsetzung

Das Fach Japanologie

In unserem Verhältnis zu Japan gibt es einen großen Widerspruch zwischen dem Umfang der wirtschaftlichen Beziehungen und der Präsenz japanischer Produkte in unserem Alltag einerseits und den allgemeinen Kenntnissen über Japan andererseits. Während man sich in Japan seit über 150 Jahren intensiv mit Deutschland und Europa beschäftigt, hat die Erforschung Japans im deutschen Sprachraum eine sehr junge Geschichte. Der erste Lehrstuhl für Japanologie wurde in Deutschland 1914 an der Universität Hamburg eingerichtet. Erst seit etwa dreißig Jahren findet eine breitere wissenschaftliche Beschäftigung mit Japan statt, die sich in den siebziger und achtziger Jahren auch in der Gründung neuer japanologischer Institute niederschlug.

Gegenstand der Japanologie sind Kultur und Gesellschaft Japans in Vergangenheit und Gegenwart. Ziel des Faches ist ein ganzheitliches Verständnis und zugleich transkulturell vergleichendes Verstehen der japanischen Kultur und Gesellschaft. Der Einbettung Japans in den ostasiatischen Kontext gilt dabei ein besonderes Augenmerk. Diesem Umstand trägt insbesondere der vor einigen Jahren eingeführte B.A.-Studiengang Ostasienwissenschaften / Schwerpunkt Japanologie Rechnung, denn er versucht bereits in einer frühen Phase der Beschäftigung mit Japan, auf historische, kulturelle, politische und wirtschaftliche Verflechtungen im ostasiatischen Bereich einzugehen.

Das Fach war in Deutschland früher eher philologisch ausgerichtet. Erst ab Ende der sechziger Jahre - mit der Ausweitung der wissenschaftlichen Kontakte zu Japan, der immer deutlicher werdenden Wirtschaftskraft des Landes und auch infolge der Kritik durch die Studentenbewegung - öffnete sich die Japanologie an den meisten Universitäten sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Heute stehen in dem Fach geisteswissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Arbeitsweisen gleichberechtigt nebeneinander.

Japanologie ist, so wie sie heute an den Universitäten gelehrt wird, gleichzeitig ein Fach und ein Bündel von sehr unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen. Die einzelnen Segmente des Faches beziehen sich einerseits (vor allem methodisch) auf Nachbarfächer wie Politische Wissenschaft oder Allgemeine Literaturwissenschaft, andererseits sind sie auf das Gespräch mit gelegentlich völlig anders orientierten Fächern in Japan angewiesen. Im Spannungsfeld zwischen diesen Fächern und im Zusammenwirken ihrer einzelnen Segmente versucht die Japanologie eigene Fragestellungen zu entwickeln, wobei der "Blick von außen" auf Japan als konstituierend für das Fach (das es in Japan selbst nicht gibt) erscheint.

Warum Japan?

Dass Kultur und Gesellschaft Japans Gegenstand eines eigenen Faches sind, leitet sich nicht nur aus der relativen Größe des Landes und seiner wirtschaftlichen Kraft ab. Japan hat im Laufe seiner Geschichte einen eigentümlichen und in seiner zeitlichen und quantitativen Ausdehnung außerordentlichen Beitrag zur Weltzivilisation geleistet. In der Moderne hat sich Japan als erstes nicht-westliches Land zu einer modernen Industriegesellschaft entwickelt und hierbei bemerkenswerte Erfahrungen gemacht, welche - unabhängig von ihrer Bewertung - sowohl für Europa als auch für die nicht-europäischen Länder von großer Bedeutung sind. Japans Erfahrungen werfen ein Licht auf die aktuellen Probleme der Dritten Welt wie auch auf grundlegende Fragen der kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung der Welt insgesamt. Insofern kann (und sollte) Japan Gegenstand eines exemplarischen, über Japan hinausreichenden Lernens sein.

Zielsetzung

Ziel des Faches ist zunächst die Ausbildung von Japan-Spezialisten, die die japanische Kultur in ihrem ostasiatischen Kontext begreifen. Das Studium vermittelt breite kulturelle Kompetenz, d.h. die moderne japanische Umgangssprache in Wort und Schrift, eine breite Allgemeinbildung über Japan und vertieftes Wissen und Verstehen in einem besonderen Segment des Faches, mit dem Ziel, Fachleute heranzubilden, die als Mittler zwischen Japan und Europa fungieren.

Die Japanologie bildet jedoch für kein Berufsfeld direkt aus. Es ist zu hoffen, dass Absolventen des Faches in Berufe, die mehr oder weniger mit Japan zu tun haben, gehen und dort ihre spezielle Kompetenz bzw. ihr durch die Begegnung mit Japan erweitertes und geschärftes Verständnis allgemeiner Fragen einbringen. Die Lehrveranstaltungen am Institut sind deshalb so ausgerichtet, dass die Bedeutung herausgearbeitet wird, die Japan für die Formulierung und Beantwortung allgemeiner Fragestellungen haben kann. Aufbauend auf dieser eher praxisorientierten Ausbildung wird versucht, an der wissenschaftlichen Klärung einzelner Phänomene der japanischen Kultur und Gesellschaft mitzuwirken und am Gegenstand Japan gewonnene Erkenntnisse in die allgemeine wissenschaftliche Diskussion einzubringen.

Seitenbearbeiter: AF
Letzte Änderung: 04.04.2016
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