Chinareisen, Bücherverbrennungen und Exil: Arthur Holitscher, Egon Erwin Kisch, Anna Seghers und Franz Carl Weiskopf
Der nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit geratene Budapester Autor Arthur Holitscher (1869-1941) reiste schon in den zwanziger Jahren in den Fernen Osten und veröffentlichte 1926 Das unruhige Asien. Reise durch Indien − China – Japan.
Er lebte einige Zeit in Berlin, ging später nach Paris, starb dann aber noch während des Krieges im Exil in der Schweiz.
Der Prager Journalist Egon Erwin Kisch (1885-1948) fuhr 1932 mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Ostasien und veröffentlichte am Ende des Jahres sein Buch China geheim.

1933 wurde er in Berlin verhaftet, dann ausgewiesen. Zunächst verbrachte er einige Jahre in Paris, dann gelang es ihm, nach Mexiko zu fliehen. (Er starb bald nach seiner Rückkehr in seiner Heimat.)
Den Weg über den Atlantik wählte auch die Nebenfachsinologin Anna Seghers (1900-1983), die Kisch schon in Berlin kannte. Sie kehrte nach dem Krieg von Mexiko nach Berlin zurück und lebte jahrzehntelang in der DDR. 1951 war sie Mitglied einer Delegation, die zum Nationalfeiertag in die Volksrepublik China reiste. Leider schrieb sie kein Buch über ihre Reise und konnte auch den Plan eines zweiten längeren Aufenthalts nicht realisieren.
Der tschechische Schriftsteller Franz Carl Weiskopf (1900-1955) hatte in jungen Jahren auch in Berlin gelebt und konnte die Kriegsjahre in den USA verbringen. (In dieser Zeit korrespondierten Kisch und Seghers, die nicht in die USA reisen durften, mit ihm.) Nach der Gründung der VR China wurde er tschechoslowakischer Botschafter dort und publizierte mehrere Chinabücher.
Als 1933 in Deutschland Bücher verbrannt wurden, hatten Holitscher und Kisch schon über China geschrieben, von den anderen Autoren wurden ihre frühen Werke Opfer der Flammen.
PS:
Die drei zuletzt genannten Autoren besaßen alle großes Interesse an der amerikanischen Journalistin Agnes Smedley (1892-1950), die in den zwanziger Jahren in Berlin und in den dreißiger Jahren in Shanghai lebte. Seghers schrieb über Smedley: „Sie hat vielen Menschen in Deutschland durch ihre Schilderungen zum erstenmal einen Begriff von dem gegeben, was im modernen China in Wirklichkeit vorging.“ )

Literatur:
M.G. Patka: Zu nahe der Sonne, Berlin, 1999.
J.H. Schoeps / W. Treß: Orte der Bücherverbrennungen in Deutschland 1933, Hildesheim, 2008. [siehe S. 781]
V. Weidemann: Das Buch der verbrannten Bücher, Köln, 2008.
Autor: Dr. Thomas Kampen
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