Gastdozentur Übersetzen

Volker Klöpsch

Im WS 21/2 wird am Sinologischen Institut eine Einführung in das literarische Übersetzen angeboten. Die Veranstaltung, die in Form eines Blockseminars stattfindet, geht auf eine Initiative des Deutschen Übersetzerfonds zurück und ist Teil des Programms „Neustarts Kultur“. Bundesweit wurden 20 Gastdozenturen ausgeschrieben; auf Grund der Nachfrage konnten schließlich 46 solcher Stellen in ganz unterschiedlichen Philologien besetzt werden. Ziel des Vorhabens ist es, Studierende an die Kunst und das Handwerk des Übersetzens heranzuführen. Der oft sehr „akademische“ Charakter philologischer Studiengänge soll durch die Einübung literarischer Übersetzungstechniken erweitert und die Gilde der Übersetzer mit Nachwuchs aus der Studentenschaft verstärkt werden.

Als Dozent wurde mit Volker Klöpsch ein Übersetzer gewonnen, der zahlreiche Werke der modernen und vormodernen chinesischen Literatur ins Deutsche übertragen und mehrere Anthologien vorgelegt hat, darunter die erste deutsche Übertragung der Dreihundert Tang-Gedichte, eine zweibändige Sammlung von Prosatexten der Tang und Song sowie die erste umfassende Blütenlese klassischer Lieddichtung der Song. Außerdem ist er Mitbegründer und langjähriger Mitherausgeber der Hefte für ostasiatische Literatur. Als Schüler Günther Debons 1979 am Heidelberger Seminar promoviert, möchte der Dozent an die hier gegebene Übersetzertradition anknüpfen und den Schwerpunkt auf die klassische Lyrik legen; daneben sollen aber auch vormoderne Prosatexte übersetzt werden.

Wer das Übersetzen als performative Kunst versteht, durchaus vergleichbar mit Musik, Tanz oder Theater, kommt nicht umhin, sich mit dem Regelwerk zu beschäftigen, den Vorgang zu reflektieren und den Prozess der sprachlichen und geistigen Aneignung immer wieder zu üben. Bereits übersetzte Texte können auf Grund der veränderten Sprache zu Neuübersetzungen einladen, ja sogar zwingen. Insofern gehört auch die Kritik an vorhan-denen Übersetzungen sowie die sprachliche Überarbeitung gegebener Überset¬zungen zu den Aufgaben des Seminars. Hauptsächlich jedoch werden neue Texte vorgestellt, gemeinsam diskutiert und in Einzel- oder Gruppenarbeit ins Deutsche übersetzt.

草木榮枯似人事 heißt es in einem Gedicht von Wen Tingyun. Der chinesische Dichter sieht also eine enge Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur. Das gewählte Thema Bäume wird ein vielfältiges Geflecht von Bezügen offenlegen, das es erlaubt, kultur-spezifische Besonderheiten wie auch interkulturelle Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Ein Katalog symbolischer Bedeutungen wird zu erstellen sein, wozu auch ein vergleichender Blick in die literarische Tradition des Abendlandes gehört. Es ist geplant, die Ergebnisse der Veranstaltung in einem „West-östlichen Baumgarten“ zu veröffentlichen.

Zuletzt bearbeitet von: SV
Letzte Änderung: 14.10.2021
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