Newsletter 2007 Nr. 8

INHALT

Magisterfeier

Wer in Heidelberg seinen Magister in Sinologie macht, geht zum Prüfungsamt, holt sich sein Zeugnis ab und ist danach fertig. Dieser völlig charmebefreiten Prozedur wollten wir einen feierlichen Rahmen hinzufügen.
Und so lud der Verein am vergangenen Freitag zur Magisterfeier der letzten Semester ein. Wenn auch nur einige kamen: es wurde eine schöne Veranstaltung, bei der Rührung aufkam. Mit den Professoren und Dozenten von damals kam man wieder ins Gespräch, alte Geschichten wurden erzählt und herzlich gelacht.
Prof. Dr. Barbara Mittler, Institutsleiterin, brachte die Eindrücke aller Beteiligten auf den Punkt: „Das ist eine wunderbare Sache und sollte ab jetzt immer stattfinden!"


Exzellenzinitiative: Ein Cluster gegen die Mauern im Kopf

Antrag für Exzellenzcluster „Asien und Europa“ in der Endrunde

Mit einem völlig neuen Konzept für geisteswissenschaftliche Forschungsarbeit stehen vier Heidelberger Fakultäten im Finale um die Vergabe eines Exzellenzclusters. An dem Projekt mit dem Titel „Asia and Europe in a Global Context: Shifting Asymmetries in Cultural Flows“ sind das Zentrum für Ostasienwissenschaften (ZO), das Südasieninstitut (SAI), das Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften und das Zentrum für Altertumswissenschaften beteiligt.

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Olympiade 2008

Kein Lästern über die Maskottchen und nur Originale, bitte!
Impressionen aus Peking von den Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 2008

Dass die Olympischen Spiele 2008 näher rücken, ist längst für keinen Besucher mehr zu übersehen. Vor dem Nationalmuseum am Tian'anmen-Platz zählt eine Countdown-Uhr die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden bis zur Eröffnungszeremonie am 08.08.2008.
Von Werbeplakaten grinsen einem bereits am Flughafen die "Friendlies" [chinesisch: Fuwa], die fünf Maskottchen, an: ein Fisch, ein Panda, in der Mitte die Olympische Fackel, daneben die umstrittene tibetische Antilope und eine Schwalbe.

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Ich bin nicht „Lost in translation“

Roland Feicht ist Leiter des Büros Beijing der Friedrich-Ebert-Stiftung. Im Gespräch mit SHAN betont der Soziologe und Romanist, dass für die Tätigkeit in NGOs vor allem interkulturelle Fähigkeiten wichtig sind.

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"Reisebericht eines T-Shirts" von Petra Rivoli

Die Globalisierung, an der sich die Geister oftmals scheiden, ist ein bisweilen schwer zu fassendes Phänomen. Einen Beitrag aus einem sehr gut greifbaren Blickwinkel liefert die amerikanische Ökonomin Pietra Rivoli.

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Zwei Deutsche in Xi'an: Anna Wang und Herbert Wunsch im Dezember 1936

Im Jahre des Xi'an-Zwischenfalls lebten zwei deutsche Linke in der Stadt - Anna Wang und Herbert Wunsch. Sie waren aus unterschiedlichen Gründen auf verschiedenen Wegen in die Stadt gekommen. Ob, beziehungsweise wie gut sie sich kannten, ist bisher nicht bekannt. Beide hatten jedoch Kontakt mit der amerikanischen Journalistin Agnes Smedley, die in den zwanziger Jahren in Berlin gelebt hatte.

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Praktika

Hamburg Liaison Office Shanghai

Im Rahmen seines Leitbildes der "wachsenden Stadt" hat der Hamburger Senat China zum regionalen Schwerpunkt erklärt. Der Standortwettbewerb unter den Regionen in Europa verlangt Präsenz in den Zielmärkten. Das Hamburg Liaison Office Shanghai ist die offizielle Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg in China. Die fünf Träger, der Senat, die Handelskammer, die Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (HWF), die Tourismus GmbH (HHT) und Hafen Hamburg Marketing (HHM) haben sich zur Positionierung des "Produktes" Hamburg auf dem chinesischen Markt zusammengeschlossen und die Repräsentanz mit dem China-Marketing beauftragt.

Die gemeinsame Vision lautet: Hamburg - Chinas Zentrum in Europa.

Ziel des Hamburg Liaison Office Shanghai ist es, das Tor für Chinesen nach Europa und für Hamburger nach China zu sein. Das Themenspektrum reicht von Hafen, Logistik und Wirtschaft über Tourismus, Kultur und Sport bis hin zu Stadtplanung, Architektur und Umwelt.

Die seit 1986 bestehende Städtepartnerschaft ist mit ihrem etablierten und stetig wachsenden Kontaktnetzwerk auf fachlicher und politischer Ebene die Basis für die Entwicklung und das Gelingen von Projekten. Das Hamburg Liaison Office stellt den Akteuren den Schlüssel zu diesem Aktionsraum zur Verfügung. Es bietet den Schaltplan zum Netzwerk und zeigt Mittel und Wege auf, darin erfolgreich zu kooperieren.

Vorraussetzungen:
Sinologischer Hintergrund

Dauer:
3-6 Monate

Zeiteinteilung:
Flexibel, wenn gewünscht

Bezahlung:
Leider nicht möglich

Kontakt:
Herr Lars Anke
anke.lars@sh.china.ahk.de

Jobs

Deutsche Botschaft Peking

Die deutsche Botschaft Peking sucht ab vorauss. Anfang Mai 2007 eine/n Mitarbeiter/in für das Pressereferat der Botschaft (German Information Center).

Tätigkeit:
- Mitarbeit bei Aufbau und Pflege einer multimedialen Website, die deutschlandbezogene Themen zielgruppengerecht für chinesische Internetnutzer aufbereitet
- Mitwirkung an der Gestaltung des Inhalts der Website (Recherchieren aktueller Themen, Erstellung und redaktionelle Bearbeitung von Text-, Audio- und Videobeiträgen), auch unter Zeitdruck
- Auswertung und Analyse der Medien und des Internetmarktes (Identifizierung von Zielgruppen, Nutzerverhalten etc.)
- Erledigung von Anfragen aus dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit einschließlich Korrespondenz sowie Unterstützung bei Sonderaufgaben.

Vorraussetzungen:
- muttersprachliche chinesische Kenntnisse
- sehr gute Kenntnisse der deutschen Sprache in Wort und Schrift,
- Englischkenntnisse sind von Vorteil
- Universitätsabschluss
- Interesse an und Kenntnisse über deutsche Geschichte, Politik, Wirtschaft, Industrie, Kultur und Lifestyle
- Bereitschaft und Fähigkeit, in einer Gruppe und unter (Zeit-) Druck zu arbeiten, hohe Leistungsbereitschaft und Fähigkeit zum eigenständigen Arbeiten
- gute Umgangsformen
- Erfahrungen auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit oder des Journalismus (insbesondere als Webredakteur/in) wären wünschenswert
- Computerkenntnisse, insbesondere Word und Excel sowie webbasierte Anwendungen (Content Management Systemen, Internet-/HTML-Editor, Dreamweaver sowie Einsatz von Videokamera und Filmbearbeitung, Pod- und Vodcasting)
- langfristiger Aufenthaltsstatus in China

Vergütung und Konditionen:
in Anwendung der örtlichen Rechtsvorschriften, n äheres ggf im Vorstellungsgespräch.
Anmerkung:
Chinesische Staatsangehörige können auf Grund chinesischer Vorschriften nur unter Einschaltung der "Beijing
Personnel Service Corporation for Diplomatic Missions" eingestellt werden.

Kontakt:
Ihre Bewerbung für diese Stelle richten Sie bitte bis zum 31.03.2007 schriftlich und in
deutscher Sprache (auch per e-mail oder Fax) an die Botschaft. Die Bewerbung soll enthalten:
- ein Bewerbungsschreiben unter Angabe der Gehaltsvorstellungen
- tabellarischen Lebenslauf mit Passbild
- einfache Kopien anderer relevanter Unterlagen (Zeugnisse, bisherige Tätigkeiten usw.).
Behinderte werden bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt.

Bewerber/innen, die in die engere Wahl gezogen werden, werden zu einem Vorstellungstermin
eingeladen.

Bewerbungsadresse (bitte zunächst keine persönliche Vorsprache):
Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
attn. Sekretariat Pressereferat
17, Dong Zhi Men Wai Dajie
100600 Beijing
Fax Nr.: 6532 551
Tel Nr.: 8532 9401
e-mail embassy@peki.diplo.de

ASC – Asia Success Company - Übersetzer/In in Dalian, China

ASC – Asia Success Company ist eine auf Asien spezialisierte Personalberatung und sucht für seinen Kunden, ein deutsches mittelständiges Unternehmen, einen Übersetzer.

Profil des Arbeitgebers :
Das marktführende deutsche Unternehmen, Hersteller von feuerfesten Steinen für die Zementindustrie, sucht für seine 100% deutsche Handelsgesellschaft in Dalian (Provinz Liaoning) ab sofort einen Übersetzer.

Aufgaben
Übersetzung (vom Deutschen ins Chinesische und umgekehrt) von Verträgen, kaufmännischer Dokumentation und Korrespondenz mit chinesischen Kunden und Lieferanten. Die Tätigkeit ist unbefristet und Vollzeit. Standort ist Dalian.

Anforderungen an den deutschen Muttersprachler:
- Abgeschlossenes Sinologie-Studium mit Auslandsstudium in der VR China
- Kenntnisse des Chinesischen (Putonghua) in Wort und Schrift
- sehr gute Deutschkenntnisse - EDV-Kenntnisse (Windows, Word)
- Aufgeschlossene Persönlichkeit mit Eigeninitiative und Teamgeist
- Interkulturelle Kompetenz im Umgang mit chinesischen Kollegen
- Anpassungsfähigkeit an das chinesische Umfeld und Wunsch, in Dalian zu leben

Kontakt:
Bitte Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse, Lichtbild) mit Nennung des Gehaltswunsches schnellstmöglichst per E-mail an: hr@asc-waldkirch.de.
Sie können uns auch gerne anrufen.
Ansprechpartnerin: Frau Morales/Frau Ahlborn
Tel. 0049-6321-96899-98

ASC - Asia Success Company
Mozartstraße 7
67434 Neustadt
Germany
Tel. 0049-6321-96899-80
Fax 0049-6321-96899-90
www.ASC-Waldkirch.de

Stipendienprogramm

Chinese Government Scholarship Programme (EU Window)

As a follow-up to the commitment made at the 2006 EU-China Summit, the Chinese Government has launched a scholarship progamme entitled the "Chinese Government Scholarship Programme (EU Window)".

This is a full scholarship scheme set up by the Chinese Ministry of Education for European students whose purpose is to expand student exchanges between China and the European Union. It will provide 100 full scholarships per academic year during the period from 2007 to 2011. The scheme will sponsor EU students to study Chinese in China for a maximum of one year. Secondary school graduates or undergraduates under the age of 35 years from EU Member States are eligible.

The deadline for applications is April 20th 2007 for the academic year 2007/2008.

Application:

Application form and other documents can be downloaded from the following websites:

www.csc.edu.cn and www.chinamission.be

Kontact:
For further information, please contact:
Mr. Liu Wanliang
Mission of P.R. China to the European Union
Avenue de Tervuren 443-445
1150 Bruxelles
Belgium

Tel: 0032-2-7723702
Fax: 0032-2-7704790

Email: lliuwl@hotmail.com


Ein Cluster gegen die Mauern im Kopf Antrag für Exzellenzcluster „Asien und Europa“ in der Endrunde

Mit einem völlig neuen Konzept für geisteswissenschaftliche Forschungsarbeit stehen vier Heidelberger Fakultäten im Finale um die Vergabe eines Exzellenzclusters. An dem Projekt mit dem Titel „Asia and Europe in a Global Context: Shifting Asymmetries in Cultural Flows“ sind das Zentrum für Ostasienwissenschaften (ZO), das Südasieninstitut (SAI), das Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften und das Zentrum für Altertumswissenschaften beteiligt. Federführend bei diesem Projekt sind Madeleine Herren-Oesch (Geschichte), Axel Michaels (Indologie) und Rudolf G. Wagner (Sinologie). SHAN sprach mit Professor Wagner über den Clusterantrag.

Asymmetrische Strömungen
Der Titel „Shifting Asymmetries“ bedarf vielleicht zunächst einer Erläuterung. Dahinter steckt ein Ansatz, der davon ausgeht, dass zwischen Asien und Europa zu allen Zeitpunkten der Geschichte Asymmetrien bestehen, die ein Ungleichgewicht in verschiedenen Bereichen auslösen. Dieses Ungleichgewicht verursacht wiederum eine „Direktionalität“ der verschiedenen kulturellen Strömungen Wagner spricht in diesem Zusammenhang auch von „asymmetrical flows“. Im Rahmen des Exzellenzclusters soll es nicht darum gehen, Asymmetrien zu beschreiben, sondern „ihre Dynamik zu verstehen“. Dabei sollen sowohl historische als auch gegenwärtige Prozesse, wie etwa die Verbreitung der traditionellen chinesischen Medizin in Europa Berücksichtigung finden. Der Antrag stützt sich auf vier Säulen, nämlich Governance and Administration, Public Spheres, History and Historicities sowie Public Health and Environment. Einzelne Projekte dürfen jedoch auch „quer zu diesen Säulen“ liegen. Er selbst plant gerade ein Projekt, das sich mit dem Buddhismus und seiner Ausbreitung beschäftigt.

Neue Wege in den Geisteswissenschaften
An der Realisierung des Projekts soll ein Forschungsteam aus Wissenschaftlern verschiedener geisteswissenschaftlicher Fachrichtungen arbeiten. Einen Kernpunkt des Clusterantrags nennt Wagner außerdem die „direkte Integration von Wissenschaftlern aus der Region“, mit der sich das Projekt beschäftigt. Zum Thema Buddhismus sollten beispielsweise auch Fachkräfte aus China, Japan und Indien herangezogen werden. Wichtig sei die Anwesenheit der Personen vor Ort. Neben den „Kompetenzen in Fleisch und Blut“ wollen Professor Wagner und seine Kollegen mit Hilfe der Forschungsgelder auch eine „Forschungsumgebung schaffen, die erstklassige Forschung ermöglicht“. Schon allein dieser Zuwachs an personalen und materiellen Ressourcen eröffnet auch für Studenten neue Chancen. Die bedeutendere Auswirkung im Bereich der Lehre sieht Wagner allerdings darin, dass er hofft, mittelfristig sowohl strukturell als auch inhaltlich eine Änderung in den Geisteswissenschaften zu bewirken. Die Bündelung von Kompetenzen in Forschungsteams soll „konzeptionell und organisatorisch neue Formen“ der Zusammenarbeit hervorbringen. Es ginge nicht darum, neue Lehrstühle für die Regionalwissenschaften wie Sinologie oder Indologie zu schaffen, sondern in Fächern, deren Blickwinkel sich bisher stark auf Phänomene der westlichen Welt beschränkt hat, neue Horizonte eröffnen. Ziel ist die Enstehung von „globalisierten Regionalstudien“, die nicht nur kulturelle und sprachliche Kompetenz in der jeweiligen Region, sondern auch die Betrachtung von Problemen aus globaler Perspektive beinhalten. Durch seine asienspezifische Ausrichtung könne das Cluster „die Präsenz nicht-europäischer Phänomene in allen Fachbereichen“ bewirken. Wagner charakterisiert die meisten geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer als „eingesperrt im Nationalstaatskonzept des 19. Jahrhunderts“. Wagner dazu: „Die Borniertheit im Kopf ist nicht nur ein Problem der europäischen Wissenschaften, die Asienwissenschaften haben es haargenau so. Und werden darin extrem bestärkt von den nationalistisch denkenden Gelehrten aus der Region.“ Genau solche „Mauern im Kopf“ wollen die Initiatoren des Exzellenzclusters überwinden.

Moderator Optimismus
In der letzten Runde muss allerdings nicht nur der Antrag durchkommen. Die beteiligten Wissenschaftler werden sich persönlich einer Kommission der DFG stellen. Diese entscheidet, welche der 40 Anträge, die noch im Rennen sind, den Zuschlag erhalten. Voraussichtlich werden etwa 15 Anträge genehmigt. Rein rechnerisch bedeutet das für den Heidelberger Antrag eine 30-Prozent-Chance. Wagner selbst sieht sich „moderat optimistisch“. Viel wird davon abhängen, ob es den Heidelberger Geisteswissenschaftlern gelingt, vor der Kommission Kooperationsfähigkeit und Geschlossenheit zu demonstrieren. „Jeder Einzelne muss hinter dem Projekt stehen“, so Wagner, „das ist ein wahnsinnig wichtiger Moment“. Aber egal wie die Entscheidung letztendlich ausgeht, schon allein das Erreichen der Endrunde ist „eine tolle Angelegenheit“. Schließlich führte schon die Vorarbeit zu dem Clusterantrag an den beteiligten Instituten zu einer „lebendige Zusammenarbeit“ zwischen den Mitarbeiten. „Leute treffen sich, schreiben E-Mails, telefonieren, die vorher noch nicht mal ihre Namen kannten“ – ob aus diesen vielversprechenden Anfängen tatsächlich langfristig ein Klima der Zusammenarbeit und des wissenschaftlichen Austausches entstehen kann, wird sich im September dieses Jahres entscheiden. SHAN drückt die Daumen!

Laura Jehl

 

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Kein Lästern über die Maskottchen und nur Originale, bitte!

Dass die Olympischen Spiele 2008 näher rücken, ist längst für keinen Besucher mehr zu übersehen. Vor dem Nationalmuseum am Tian’anmen-Platz zählt eine Countdown-Uhr die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden bis zur Eröffnungszeremonie am 08.08.2008. Von Werbeplakaten grinsen einem bereits am Flughafen die “Friendlies“ [chinesisch: Fuwa], die fünf Maskottchen, an: ein Fisch, ein Panda, in der Mitte die Olympische Fackel, daneben die umstrittene tibetische Antilope und eine Schwalbe. 
 
Viel Energie wird in die Vorbereitung der Spiele investiert. Die Touristenattraktionen in Peking werden eine nach der anderen restauriert und sorgen bis zu ihrer Fertigstellung für viel Staub, verbilligte Eintrittspreise und die ein oder andere waghalsige Klettertour von über die Absperrungen  verärgerten Besuchern. Überhaupt gibt es viel mehr Baustellen in Peking als noch ein Jahr zuvor, was ich bereits für nicht mehr möglich gehalten hatte. Beim Ort Badaling steht direkt neben der Großen Mauer ein riesiges olympisches Emblem mit dem Slogan „One World One Dream“, vor dem sich täglich Zehntausende Touristen ablichten lassen. Das Emblem stellt einen tanzenden Menschen dar und soll an das Zeichen „Jing“ aus „Beijing“ erinnern.

Auch auf den Verkehr strecken sich die Anstrengungen der Regierung aus: Ausstellungen sollen den Pekingern helfen, bis 2008 umweltbewusster zu werden und mehr Fahrrad zu fahren (eines der immerhin drei Mottos, unter denen die Spiele stattfinden, ist „Green Olympics“). Die Taxis wurden erneuert und sind teurer geworden; so mancher Taxifahrer ärgert sich darüber, weil dadurch weniger Leute Taxi fahren, die meisten freuen sich aber auf das gute Geschäft während der Olympischen Spiele. Am „Vogelnest“, dem  Nationalstadium im Nordosten der Stadt, und den anderen Austragungsorten wird fleißig gebaut. Ebenso an dem neuen Netz von U-Bahn Linien, das noch 2007 fertig gestellt werden und die Verkehrslage in Peking verbessern soll.
Selbst eine eigene Zeitung für die Olympischen Spiele gibt es. Sie heißt „Jingbao“ oder auf Englisch: „The First“ und zählt ebenfalls die Tage bis zur Eröffnungszeremonie und bringt ihren Lesern jeden Tag einen neuen Satz auf Englisch bei. Englischunterricht gibt es auch so, kostenlos, für alle, die wollen. Wahrgenommen wird das Angebot hauptsächlich von Rentnern und allen anderen, die genug Zeit haben. Die sind allerdings mit viel Begeisterung dabei und erproben an mir ihre ersten Sätze.


Man stellt auch sonst schnell fest, dass die staatlichen Stellen und die Regierung die Olympischen Spiele furchtbar ernst nimmt. Beispielsweise dürfen Chinesen online nicht über die Maskottchen lästern – für den westlichen Beobachter eine Bestimmung, die wohl eher zum Schmunzeln anregt, aber auch daran zweifeln lässt, dass die Olympischen Spiele an den Zensurregelungen des Landes viel verändern werden. Obgleich China ausländischen Journalisten - zumindest für die Zeit der Spiele - freiere Berichterstattung zugesagt hat.

Merchandize ist teuer für chinesische Verhältnisse und darf nur in speziellen Läden verkauft werden. Die Beijing Wanbao erinnert die Leute: „Wenn ihr die Friendlies [Maskottchen] liebt, dann kauft nur Originale!“ Bisher gucken die meisten Leute eher noch, als zu kaufen. „Ich warte bis nach den Spielen“, erklärt mir eine Studentin pragmatisch, „dann wird das alles billiger.“ Mal sehen. Besonders viel Aufmerksamkeit erregen auch die lebensgroßen Stoffmaskottchen, die in den Läden und davor stehen und eines der beliebtesten Fotomotive sind, insbesondere für die Touristen vom Land.

Mich interessiert vor allen Dingen, wie sehr die Olympischen Spiele die Leute in Peking jetzt schon beeinflussen. Sind die Vorbereitungen wirklich so omnipräsent, oder bilde ich mir das nur ein, weil ich darauf achte? Es sind die Studenten, die am begeistertesten dabei sind. Ab Ende August 2006 kann man sich als freiwilliger Helfer für die Olympischen Spiele melden und viele, die ich befrage, haben sich entweder selbst angemeldet oder kennen jemanden, der es getan hat. Etwa 100,000 Freiwillige werden gesucht. Eine Frau erzählt mir stolz bei einer Tasse Tee, dass ihr zwölfjähriger Sohn sich ebenfalls bewerben wird. Allerdings sollten die Freiwilligen 2008 mindestens 18 Jahre alt sein; die meisten werden wohl von Studenten gestellt werden.

Die chinesische Regierung und auch die meisten Chinesen erhoffen sich von den Spielen Impulse für die Wirtschaft, mehr Touristen, die Chance, China dem Ausland zu präsentieren, ein moderneres und internationaleres Peking, ein besseres U-Bahnnetz und fast jeder erhofft sich bessere Arbeitsmöglichkeiten. Gleichzeitig sind die Nachteile offensichtlich: alles wird etwas teurer und durch die vielen Baustellen ist die Stadt noch staubiger geworden. Dass viele alte Gebäude abgerissen werden, finden nicht alle schlimm. Ein paar Leute sind besorgt, ob das Verkehrsproblem bis 2008 wirklich geregelt sein wird. Allerdings höre ich auch von vielen, dass man die verbesserte Infrastruktur bereits deutlich bemerkt, insbesondere in einigen anderen Olympischen Städten, wie Qingdao, wo die Segelwettbewerbe stattfinden werden. Der Stolz darüber, dass die Olympischen Spiele zum ersten Mal in China stattfinden steht allen, denen ich begegne, ins Gesicht geschrieben.

Mareike Ohlberg

 
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Ich bin nicht „Lost in translation“

Roland Feicht arbeitet für die Friedrich-Ebert-Stiftung in Beijing. Im Gespräch mit SHAN betont der Soziologe und Romanist, dass für die Tätigkeit in NGOs vor allem interkulturelle Fähigkeiten wichtig sind.

Herr Feicht, wie kamen Sie zur Friedrich-Ebert-Stiftung?

Zur Friedrich-Ebert-Stiftung bin ich über das Studium gekommen. Ich habe in den 70er Jahren in Münster Soziologie, Geschichte und Spanisch studiert. Da ich mich frühzeitig mit Entwicklungssoziologie beschäftigt habe, insbesondere mit den sozialen Bewegungen und Gewerkschaften in Lateinamerika, hatte ich eigentlich die Absicht, später in der Entwicklungszusammenarbeit oder anderen Bereichen, die mit Lateinamerika zusammenhängen, zu arbeiten. Dort wollte ich eine Nische finden, die mir die Möglichkeit eröffnete, etwas zu arbeiten, was mir Spaß macht.

Letztendlich sind Sie aber in China gelandet.

Als Auslandsmitarbeiter der FES ist man überall einsetzbar und muss dies auch sein. Wir haben ein System, das ähnlich wie beim Auswärtigen Amt funktioniert. Die Auslandsverträge gehen in der Regel über drei, maximal fünf Jahre, dann geht man in ein anderes Land. Ab 1995 habe ich mich mit Asien beschäftigt und war dann bis Ende 1999 für die FES auf den Philippinen. Nach einer weiteren Tätigkeit in der Zentrale in Bonn bin ich dann 2004 nach China gekommen.

Könnten Sie kurz die Tätigkeiten der FES in China skizzieren, auch mit Bezug auf die unterschiedlichen Standorte Beijing und Shanghai?

Unsere Hauptschwerpunkte liegen in den folgenden vier Bereichen: Soziale Dimension der Marktwirtschaft, Rechtsstaatsentwicklung, nachhaltige Entwicklung und Außen- und Sicherheitspolitik. Als fünftes Standbein gibt es natürlich die Förderung für Studentinnen und Studenten aus China. Das wird jedoch hauptsächlich von der Abteilung Studienförderung durchgeführt.
Diese Schwerpunkte werden sowohl im Büro in Beijing als auch in Shanghai bearbeitet, und zwar im Rahmen von Dialogveranstaltungen. Im Bereich der Rechtsstaatsentwicklung ist der deutsch-chinesische Menschenrechtsdialog, der dieses Jahr zum achten Mal in Berlin stattgefunden hat, und nächstes Jahr wieder in Beijing abgehalten werden wird, eines der wesentlichen Projekte. Im Schwerpunkt soziale Dimension der Marktwirtschaft befassen wir uns derzeit mit Fragen der sozialen Sicherung und des Arbeitsrechts. Wir fördern darüber hinaus den Dialog zwischen deutschen und chinesischen Gewerkschaften. Im Bereich Nachhaltigkeit befassen wir uns in Shanghai beispielsweise mit dem Thema nachhaltige Stadtentwicklung und in Sichuan mit verschiedenen Aspekten des Umweltschutzes. Im Sektor Außen- und Sicherheitspolitik führen wir seit mehreren Jahren in Shanghai einen internationalen Dialog über „global governance“ und in Peking einen deutsch-chinesischen Dialog zu Fragen umfassender Sicherheitspolitik durch.
Wie bearbeiten unsere Schwerpunkte in beiden Büros unterschiedlich, da Shanghai auf der regionalen Ebene arbeitet und Beijing auf der nationalen. So ergeben sich unterschiedliche Partnerkonstellationen und zum Teil auch verschiedene Themen. Wir bemühen uns aber auf Grund der knappen Ressourcen zwischen den beiden Büros Synergieeffekte in der Zusammenarbeit zu erzielen. Nach Möglichkeit besuchen deutsche Experten, die nach China eingeladen werden, beide Büros, wo sie über Vorträge und Workshops in das jeweilige Programm mit eingebunden werden.

Sie selbst haben nicht Sinologie studiert – sehen Sie dies als Nachteil bei Ihrer derzeitigen Tätigkeit in China?

Ich sehe es durchaus als Nachteil. Ich habe zwar einen Crashkurs Chinesisch gemacht, so dass ich mich im täglichen Leben zurechtfinden und halbwegs kommunizieren kann. Es ermöglicht mir jedoch nicht, darüber hinaus Gespräche auf Chinesisch zu führen. Das war eine Form der Kommunikation, die ich in Lateinamerika sehr geschätzt habe, da ich gut Spanisch spreche. Aber damit muss man leben. In jedem Fall bin ich nicht „lost in translation“, da ich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Büro habe, die sowohl Englisch als auch Deutsch können. Wenn mein Gegenüber kein Englisch spricht, was aber in zunehmendem Masse der Fall und als dritte Sprachebene durchaus von Vorteil ist, muss ich eben mit Dolmetschern arbeiten. Das erschwert die Dinge, denn beim Dolmetschen fallen oft die Feinheiten weg, auf die es im interkulturellen Dialog oft ankommt. Meiner Meinung nach liegen bei solchen Auslandstätigkeiten mindestens 50 Prozent der Qualifikation im Bereich der interkulturellen Umgangsfähigkeit.

Wie beurteilen Sie die sprachlichen Kompetenzen von deutschen Sinologen?

Das ist auf jeden Fall eine wichtige Qualifikation. Auch die Stiftung kommt nicht darum herum, den einen oder anderen Auslandsmitarbeiter zu haben, der Chinesisch spricht. Aber Chinesisch ist keine lingua franca und wird auch niemals eine sein, genauso wenig wie Deutsch. Lingua franca ist Englisch. Wenn man bei der Friedrich-Ebert-Stiftung arbeitet, ist man vielleicht drei bis fünf Jahre in China und wird dann woanders eingesetzt. Die Chance, dann noch einmal für die Friedrich-Ebert-Stiftung nach China zu kommen, ist relativ niedrig. Das heißt, Sie haben als Sinologe in China einen Vorteil, aber irgendwann sind Sie dann in einem Land beschäftigt, wo es Ihnen so geht wir mir jetzt. Dann können Sie nur hoffen und darauf vertrauen, dass Ihre interkulturellen Kommunikationsfähigkeiten ausreichend sind.

Wie sehen Sie in Bezug auf NGOs wie die Friedrich-Ebert-Stiftung die beruflichen Chancen für Sinologen?

Die Sinologie sehe ich immer mit einem Plus, also einer anderen Qualifikation, verbunden. Es sei denn, Sie wollen Sprachmittler werden. Dafür gibt es jedoch die Dolmetscherstudiengänge. Natürlich kann man ausschließlich im sprachlichen Bereich arbeiten, was auch immer wichtiger wird, da die Kommunikation zwischen Europa und China zunimmt und Sprachkompetenz dabei eine große Rolle spielt. Es kommt eben darauf an, was man will: Ist die Sprache der Hauptzweck oder dient sie als Werkzeug? Darüber muss sich jeder Studierende, der eine Fremdsprache lernt, klar werden. Und danach muss sich auch das Studium richten. Entscheidet man sich für letzteres, sollte man Wirtschafts- und Sozialwissenschaften als weitere Qualifikation mitbringen.

Welche Fähigkeiten sollte Ihrer Meinung nach ein Sinologe mitbringen, wenn er für eine NGO, oder konkret die FES in China arbeiten möchte?

Fachliche Kompetenz ist natürlich sehr wichtig. Man sollte in der Lage sein, einen gesellschaftspolitischen Zusammenhang zu erfassen, Schlussfolgerungen daraus zu ziehen und diese in Kürze zu Papier zu bringen. Dies ist die eine Sache. Die andere ist, dass es sich um einen politisch denkenden Menschen handeln sollte, und nicht um einen technokratisch denkenden Menschen. Er oder sie sollte eine Affinität zur Sozialdemokratie haben. Wir sind eine der Sozialdemokratie nahe stehende Stiftung. Daher ist dies auch eine Frage der Identifizierung. Das zeigt sich nicht unbedingt dadurch, dass man ein Parteibuch hat, sondern dadurch, dass man in der Lage ist, die politischen Dimensionen gesellschaftspolitischer Prozesse zu erfassen. Denn nur so kann man unsere Projektarbeit, die im Wesentlichen aus politischem Dialog besteht, entsprechend gestalten.
Ganz wichtig im interkulturellen Dialog sind aber auch solche „alten Tugenden“, über die man eigentlich immer verfügen sollte, wie etwa die Fähigkeit, sich diplomatisch zu verhalten, höflich zu sein, zuhören zu können, zurückhaltend und ausgleichend zu sein, gleichzeitig aber seine eigene Meinung standfest zu vertreten. Wenn man dies berücksichtigt, kommt man eigentlich in jedem Kulturkreis zurecht. Wichtig sind nun einmal Fähigkeiten im Umgang mit den Menschen. Diese sollten auf jeden Fall gegeben sein, um erfolgreiche Projektarbeit zu gewährleisten.

Welche konkreten Aufgaben könnte ein Sinologe im Rahmen einer Tätigkeit für die Friedrich-Ebert-Stiftung übernehmen?

Im Prinzip kann ich mir keinen Sinologen an sich in der Stiftung vorstellen. Es würde sich vielmehr um einen Auslandsmitarbeiter oder mitarbeiterin handeln, die dankenswerterweise auch Chinesisch sprechen kann.

Das heißt, es könnte sich um jemanden handeln, der Sinologie in Kombination mit einer Wirtschafts- oder Sozialwissenschaft als weiteres Haupt- oder Nebenfach studiert hat?

So könnte man es auch formulieren. Diese Person bringt Chinesischkenntnisse mit, was mühselig genug ist, sich anzueignen, aber eben nicht nur. Bei der Friedrich-Ebert-Stiftung sind zwei Fremdsprachen Voraussetzung, wenn man mitarbeiten will. Englisch gehört dabei zum Werkzeugkasten, ohne geht es nicht. Dazu kommt eine weitere, inzwischen oft sogar zwei weitere Sprachen. Ich selbst spreche Englisch und Spanisch, wodurch schon weite Teile der Welt sprachlich abgedeckt sind. Nur in China habe ich einige Schwierigkeiten, aber eben nicht ein ganzes Leben lang sondern nur für fünf Jahre. Ich versuche, dies durch meine antrainierten Fähigkeiten im Bereich der interkulturellen Kommunikation auszugleichen.

Provozierend gefragt: Braucht die Welt Sinologen?

Na klar braucht die Welt Sinologen. Und ich sage Ihnen auch warum: Weil wir es hierbei mit einer der ältesten Kulturen, einem der ältesten Völker dieser Erde zu tun haben. Schon anhand dessen ist es von besonderer Wichtigkeit, dass wir Sinologen haben. Ich sage es Ihnen auch noch aus persönlichen Gründen, da Ihr Verein in Heidelberg sitzt: Mein Sohn studiert in Heidelberg Latein und Griechisch, was nicht viele tun. Das ist aber wichtig, um die kulturelle Grundlagen und Traditionen Europas auch den nächsten Generationen zu vermitteln. Sprache gehört gehört an vorderster Stelle mit dazu.

Das ist gerade in Bezug auf Sinologen ein schönes Schlußwort. Ich bedanke mich ganz herzlich für das Gespräch.

Das Interview führte Cora Jungbluth.

 

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Pietra Rivoli - Reisebericht eines T-Shirts. Ein Alltagsprodukt erklärt die Weltwirtschaft.

Die Globalisierung, an der sich die Geister oftmals scheiden, ist ein bisweilen schwer zu fassendes Phänomen. Selbst die Definition derselben ist keine leichte Aufgabe und noch viel mehr als das entzünden sich an ihren positiven und negativen Folgen hitzige Diskussionen.
Einen Beitrag aus einem sehr gut greifbaren Blickwinkel liefert die amerikanische Ökonomin Pietra Rivoli.

Sie stand im Herbst 1999 in ihrem Büro und beobachtete eine Demonstration amerikanischer Studenten gegen die „böse“ Globalisierung, auf der eine Studentin das Mikrofon ergriff und fragte: „Wer hat dein T-Shirt gemacht?“, um danach die Kinderarbeit an verschiedenen Orten der Welt bei der Textilproduktion anzuprangern. Diese Frage nahm Rivoli als Ausgangspunkt, um sich ein beliebiges T-Shirt zu kaufen und dessen Geschichte von der Entstehung des Samens für die Baumwolle bis zum Verkauf und sogar darüber hinaus anzusehen.

Herausgekommen ist dabei keineswegs ein naiver Reisebericht eines T-Shirts, an dem übliche Klischeevorstellungen von Globalisierungsprozessen widerlegt oder bestätigt werden sollen, sondern vielmehr ein intelligentes Buch, welches einige neue Aspekte aufgreift.
Dass die Wahl eines geeigneten globalisierten Guts auf ein Kleidungsstück fällt wird verständlich, wenn man sich die Bedeutung der Textilindustrie vor Augen führt. Sie war der wichtigste Träger der Frühindustrialisierung und die treibende Kraft einer ersten globalisierten Industrie bereits seit dem 18. Jahrhundert. Die dieser Entwicklung zugrundeliegenden Kräfte setzen sich bis heute fort. Staaten wie Südkorea, Taiwan oder Japan nutzten die Textilindustrie als Sprungbrett zu einer umfassenden Modernisierung und Wirtschaftsentwicklung.

Eine der sicherlich interessantesten Entdeckungen auf dem „Reiseweg“ als Baumwolle von den USA über Japan nach China und als T-Shirt über Umwege wieder in die USA und schließlich bis nach Afrika ist die Erkenntnis, dass auf den meisten Stationen der Entstehung ein freier Martk gar nicht existiert. Im Gegenteil, überall trifft die Autorin auf Beschränkungen statt auf barrierefreie Handelsmöglichkeiten. Zölle, Subventionen und Importlizenzbeschränkungen sind dabei nur einige der vielen Faktoren.

China spielt im Handel dabei eine große Rolle, daher ist das Buch auch für Sinologen oder den chinainteressierten Leser relevant. Obwohl der Leser deutlich bemerkt, dass die Verfasserin Wirtschaftswissenschaftlerin ist und trotz der großen Fülle an präsentierten Daten im Buch liest sich dieses erstaunlich flüssig. Nicht zuletzt deshalb ist es für alle, die sich mit der Weltwirtschaft, der Globalisierung oder Chinas Rolle in beidem auseinandersetzen möchten uneingeschränkt zu empfehlen.

 

Benjamin Kemmler



Pietra Rivoli
Reisebericht eines T-Shirts. Ein Alltagsprodukt erklärt die Weltwirtschaft.
Econ, 2006
ISBN 3430177650 (978-3430177658)
EUR 16,00

 

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Zwei Deutsche in Xi’an: Anna Wang und Herbert Wunsch im Dezember 1936

Im Jahre des Xi’an-Zwischenfalls lebten zwei deutsche Linke in der Stadt - Anna Wang und Herbert Wunsch. Sie waren aus unterschiedlichen Gründen auf verschiedenen Wegen in die Stadt gekommen. Ob, beziehungsweise wie gut sie sich kannten, ist bisher nicht bekannt. Beide hatten jedoch Kontakt mit der amerikanischen Journalistin Agnes Smedley, die in den zwanziger Jahren in Berlin gelebt hatte.

Dr. Herbert Wunsch gehörte zu den wenigen deutschen Opfern des chinesischen Bürgerkriegs. Er wurde etwa 1908 in Berlin geboren und studierte Zahnmedizin. Da er der KP nahe stand floh er 1933 aus Deutschland und reiste nach China. In Shanghai lernte er die Journalistin Agnes Smedley und den amerikanischen Arzt George Hatem kennen. Offenbar schlug Smedley ihm vor, nach Xi’an umzuziehen und dort eine Praxis zu eröffnen. Er traf im Sommer 1936 in der Stadt ein und begann unter anderem damit, die Kommunisten mit Medikamenten zu versorgen. Vermutlich hat er auch weitere Tätigkeiten für die Partei übernommen und einige KP-Mitglieder zur Tarnung als Angestellte beschäftigt – so lebte die bekannte Schriftstellerin Ding Ling dort und war als Köchin getarnt. Am 12. Dezember des Jahres als Chiang Kai-shek von Zhang Xueliang festgenommen wurde, brachen in der Stadt wilde Schießereien aus. Wunsch wurde von einer Kugel getroffen und starb am nächsten Tag. Agnes Smedley, die ebenfalls zu dieser Zeit in der Stadt war, informierte sofort seine in Japan lebende Schwester über dessen Tod. Angesichts der chaotischen Lage und der dramatischen Festnahme und Befreiung Chiang Kai-sheks ist jedoch der frühe Tod Herbert Wunschs bis heute weitgehend unbeachtet geblieben.

Die 1907 in Danzig geborene Anna Wang (Anneliese Martens) hatte in den dreißiger Jahren in Berlin den chinesischen Studenten Wang Bingnan (1908-1988) kennengelernt.
Nach ihrer Hochzeit reisten sie im Frühjahr 1936 mit der Transsibirischen Eisenbahn nach China. Wang Bingnans Familie lebte in Xi’an und dort ließ sich das junge Paar auch nieder, Anna war zu dieser Zeit schon schwanger. Wang Bingnan galt in der Öffentlichkeit als Freund und Berater der Generäle Yang Hucheng und Zhang Xueliang, insgeheim arbeitete er für die Kommunisten. Im September reiste das Paar nach Shanghai, um dort den Winter zu verbringen. In Shanghai lernte sie unter anderem Lu Xun kennen, der wenige Wochen später starb. An seinem Todestag, dem 19. Oktober 1936, wurde ihr Sohn geboren. Kurz darauf wurde Wang Bingnan von Yang Hucheng nach Xi’an gerufen – Frau und Sohn blieben in Shanghai. So war Wang Bingnan zwar Zeuge des Zwischenfalls, seine Frau verpaßte jedoch das Ereignis und wurde dadurch auch nicht gefährdet. Als Anna Wang jedoch die ersten Gerüchte aus Xi’an hörte, machte sie sich mit ihrem Kind auf den Weg in den Westen. Noch im gleichen Monat traf sie nach einer beschwerlichen Reise in der Stadt ein. Dort traf sie auch die Journalisten Agnes Smedley und James Bertram, die den Zwischenfall in verschiedenen Büchern beschrieben. Wenige Monate später konnte Anna Wang auch nach Yan’an reisen, wo damals unter anderem der deutsche Kommunist Otto Braun (1900-1974) lebte.
Nach Ausbruch des Krieges gegen Japan ging sie zunächst nach Hankou, später nach Chongqing, nach der Gründung der Volksrepublik nach Beijing. In den fünfziger Jahren trennte sie sich von ihrem Mann und verließ China; zunächst lebte sie in der DDR, nach dem Ausbruch des sino-sowjetischen Konflikts ging sie jedoch in die Bundesrepublik. Sie unterstützte weiterhin die chinesische Seite und veröffentlichte bald ihr Buch "Ich kämpfte für Mao". Sie starb 1989. Wang Bingnan nahm 1954 an der Genfer Indochinakonferenz teil, arbeitete unter anderem als chinesischer Botschafter in Polen und stieg zum stellvertretenden Außenminister auf.

Literatur:
Anna Wang: Ich kämpfte für Mao, Hamburg, 1964, 1973;
Wang Anna: Zhongguo: wode di’er guxiang, Beijing, 1980;
Luo Ruiqing, Lü Zhengcao & Wang Bingnan: Zhou Enlai and the Xi’an Incident, Beijing, 1983;
Janice und Stephen MacKinnon: Agnes Smedley, Zürich, 1989;
Otto Braun: Chinesische Aufzeichnungen, Berlin, 1973.


Dr. Thomas Kampen

 

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Zuletzt bearbeitet von: AF
Letzte Änderung: 04.12.2014
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