Prof. Dr. Enno Giele

Tel.: (+49-6221) 54 77 36
Fax: (+49-6221) 54 76 39

E-Mail:  enno.giele [at] zo.uni-heidelberg.de
Webseite: http://www.zo.uni-heidelberg.de/sinologie/institute/staff/giele

LSF: Kurse im aktuellen Semester
Sprechstunden: s. aktuelle Sprechstundenliste

Image1

Inhalte:

   Interessen
   Zur Person
   Ausgewählte Publikationen

Interessen

Klassik - das ist die aufregende Zeit, in der durch große Umwälzungen und Neuerungen Wegweiser und Modelle für eine Kultur geschaffen werden. In China ist dies die Zeit der Streitenden Staaten und das erste Kaiserreich der Qin und Han Dynastien. In dieser Zeit vom 5. Jh. v. bis 2. Jh. n.u.Z. entstanden nicht nur die zeitlosen Ethiken und politischen Theorien des so genannten Konfuzianismus, Daoismus, und Legismus, sondern auch die reichsweit vereinheitlichten Standards für Schrift und Erziehung, Nachrichten- und Transportwesen, Zivilverwaltung und Militärdienst, Münzgeld, Handel und neue landwirtschaftliche Techniken. China wurde zum ersten Mal eine Weltmacht und trat über die berühmten "Seidenstraßen" auch mit Zentralasien und indirekt mit Europa in Verbindung.

Image2 Image3 Image4

Diese Umwälzungen zu verstehen und nachzuvollziehen, was sie für die Menschen damals bedeuteten und immer noch für das Menschsein überhaupt bedeuten, ist eine der spannendsten und vielfältigsten historischen Detektivaufgaben, die sich denken lassen. Als Quellen zur Verfügung stehen uralte Texte, die häufig noch im handschriftlichen Original auf uns gekommen sind, bildliche Darstellungen, archäologisch geborgene Objekte und bauliche Reste, die viele faszinierende Facetten des Lebens von vor über zwei Jahrtausenden widerspiegeln.

Image5

Image6

Besonders interessieren mich Fragen aus den Bereichen der Institutionen-, Sozial- und Kulturgeschichte: Wie funktioniert ein Staat, in dem nur ein Bruchteil der Mitglieder lesen und schreiben kann? Wie wurden Nachrichten verbreitet? Welche Art von Öffentlichkeit kann sich in so einer vormodernen Gesellschaft ausbilden? Auf welche tatsächlichen Um- und Missstände lässt die damalige Gesetzgebung schließen? Welchen Stellenwert hatten Frauen, Greise und Kinder in einer Gesellschaft, die uns hauptsächlich in einer Beschreibung der Taten männlicher Erwachsener gegenüber tritt? Wie mobil waren die Menschen? Was bestimmte ihre Identität: etwa ihre Familie? Oder ihre Siedlung? Ihr Staat? Ihre Sprache? Ihre materielle Kultur? Und wie sah solch eine Kultur im Alltag aus: Seit wann und wie benutzte man in China eigentlich Essstäbchen? Und warum? Wovon ernährten sich die besser Gestellten, wovon die einfache Bevölkerung? Was bestimmte die Kleidung und Mode? Wie wohnten und heizten (oder kühlten) sie? Wie und wo verrichteten sie ihre Notdurft? Ganz konkrete Fragen, die einerseits oft weitreichende Konsequenzen für die Bewertung der altchinesischen Gesellschaft haben, andererseits aber auch zum Reflektieren unseres eigenen Menschseins und unserer kulturellen Werte und Eigenheiten anregen, weil sie uns einen Alternativentwurf des Menschseins in Bereichen vorhalten, über die wir gewöhnlicherweise, aber zu Unrecht, gar nicht mehr nachdenken.

Zur Person

Es gibt bildhafte Hinweise, dass ich mich offenbar schon früh für Bücher und für das interessierte, was die Chinesen kenshu 啃書 (etwa: "intensives Bücherstudium") nennen.

Image7

Das mag irgendwo in Nordwestdeutschland gewesen sein. Doch intellektuell bewusst beginnt mein Leben in Berlin und spielt sich dort für die ersten zwei Jahrzehnte ab. Die Freie Universität und dort die Japan- und Chinastudien am Ostasiatischen Institut sind mein Fenster nach Fernost, durch das ich mich wohl zu weit hinausgelehnt habe. Jedenfalls bin ich für ein bzw. acht Jahre auf der Tokyoter (Keio Universität) und Taibeier Seite (Nationale Taiwan-Universität & Academia Sinica) hinuntergepurzelt und fand erst wieder zurück, als mich das schöne Münster (Westfälische Wilhelms-Universität) durch eine Assistenz sechs glückliche Jahre lang an die Aa entführte.

Image8

Vor lauter Eifer wollte ich dann auch mal "in Fernwest machen" und bin für insgesamt vier Jahre nach Berkeley (University of California) und dann vor allem Tucson (University of Arizona) in die Wüste verschwunden.

Image9 Image10

Aber auch der Pazifik mündet offensichtlich in den Neckar. Jedenfalls hat er mich hierher gespült, wo ich die oben skizzierten Themen in naher Zukunft mit Projekten zu altchinesischer Manuskriptkultur, Militärwesen und Kommunikation weiter verfolgen und unter Einsatz von computergestützten virtual reality und GIS-Systemen anschaulich ausbauen möchte. Außerdem freue ich mich sehr auf den Austausch über diese Themen mit Kollegen aus benachbarten Fächern der antiken Welt(en) wie sie an der Ruperto Carola so zahlreich vertreten sind.

Ausgewählte Publikationen

  • Evidence for the Xiongnu in Chinese Wooden Documents from the Han Period U. Brosseder & B.K. Miller, hg.: Xiongnu Archaeology – Multidisciplinary Perspectives on the First Steppe Empire in Central Asia. (Bonn Contributions to Asian Archaeology 5), 2011:49-75.
  • Excavated manuscripts: context and methodology
 Michael Nylan and Michael Loewe, hg.: China’s Early Empires. A Re-appraisal, Cambridge UP, 2010:114-34.
  • Kodai no shikiji nōryoku wo ikaga ni hantei suru no ka—Kandai gyōsei monjo on jirei kenkyū” 古代の識字能力を如何に判定するのか──漢代 行政文書の事例研究 [Wie lässt sich Literalität in der Antike überprüfen? Eine Studie mit konkreten Beispielen aus der Verwaltungskorrespondenz der Han-Zeit] Takata Tokio 高田時雄 hg.: Sanzennen no kanji 三千年の漢字, Kyoto: Rinsen shoten, 2009:133-54.
  • Imperial Decision-Making and Communication in Early China. A Study of Cai Yong’s Duduan,
Opera sinologica 20, Wiesbaden: Harrassowitz, 2006:X, 367 S.
  • Das Wandmalereigrab im Dorf Bǎizǐ, Kreis Xúnyì, Shǎnxī
 Michael Friedrich hg., unter Mitwirkung von Reinhard Emmerich und Hans van Ess: Han-Zeit. Festschrift für Hans Stumpfeldt aus Anlaß seines 65. Geburtstages, Wiesbaden: Harrassowitz, 2006:483-516.
  • Staatliche Altersfürsorge im frühen China aus historiografischer Sicht
 Raimund Th. Kolb und Martina Siebert hg.: Über Himmel und Erde. Festschrift für Erling von Mende, Wiesbaden: Harrassowitz, 2006:189-208.
  • Signatures of “Scribes” in Early Imperial China Asiatische Studien/Études Asiatiques (Bern) 59:1.2005:353-87.

  • “Yū” seikō: Shin Kan jidai wo chūshin ni 「郵」制攷──秦漢時代を中心に (Tomiya Itaru, üb.) [Über das Postwesen der Qín- und Hàn-Zeiten] Tōyōshi kenkyū 東洋史研究 (Kyoto) 63:2.2004:1-37.
Zuletzt bearbeitet von: CS
Letzte Änderung: 25.04.2016
zum Seitenanfang/up