Institut für Sinologie

China und seine Rolle in der Welt

Am Institut für Sinologie der Universität Heidelberg wird China Institutin einer in Deutschland einzigartigen Vielfalt und thematischen Breite behandelt. An 5 Lehrstühlen erforschen gut 30 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen China in historischer Tiefe, aus verschiedenen Perspektiven, und mit unterschiedlichen disziplinären Ansätzen und Methoden. Dabei geht es nicht nur um Themenbereiche, die das klassische und moderne China betreffen, sondern auch um die Einbettung Chinas in der Welt und die damit einhergehenden, vielfältigen Austauschprozesse, die China nicht erst in jüngster Zeit mit anderen Regionen verbinden. Charakteristisch für das Institut für Sinologie ist zudem seine hohe Integration in die internationale Forschung und Lehre sowie die enge Zusammenarbeit mit zahlreichen affiliierten nationalen und internationalen Partnern, insbesondere im HCTS (Heidelberger Centrum für Transkulturelle Studien) und dem im Aufbau befindlichen CATS (Centrum für Asiatische und Transkulturelle Studien). Sinologie in Heidelberg bedeutet daher Forschung zu China und dessen Rolle in der Welt im Rahmen eines weitreichenden internationalen Netzwerks.

 

Geschichte des Instituts in Bildern

 

Arbeitsbereich „Klassische Sinologie“

Prof. Dr. Enno Giele |  

In der Lehre erstreckt sich der Bereich von Enno Giele auf das China von den Anfängen bis in die Zeit vor der wesentlichen Einflussnahme durch westliche Mächte in der Mitte des 19. Jahrhunderts (Opiumkriege). Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Institutionen-, Sozial- und Kulturgeschichte des klassischen Altertums (ca. 5. Jh. vuZ bis 3. Jh. uZ). Seine Mitarbeiter erforschen teils die vorangehende archaische Epoche, teils das nachfolgende Mittelalter (bis ca. 10. Jh.). Laufende Forschungsarbeiten sind das Center for Ancient Chinese Texts and Images (CATI), welches handschriftliche und bildliche Primärquellen des Altertums aufarbeitet, sowie Projekte zu Ritus und Königtum im archaischen China auf der Grundlage von Bronzeinschriften (Dr. Paul Nicholas Vogt), Standards, Normen und individuelle Schreibergewohnheiten in der Handschriftenkultur der frühen Kaiserzeit (Thies Staack, SFB-Projekt), und zu Geld sowie zum Militär im Altertum (Enno Giele).

 

Arbeitsbereich "Kulturwissenschaftliche Zugänge zu China: Bilder, Kunst und Musik im globalen Kontext"

Prof. Dr. Barbara Mittler |  

Chinas Kulturgeschichte ist maßgeblich vom Dialog mit dem „Anderen“ bestimmt. Barbara Mittler untersucht die vielfältigen Facetten dieses Dialogs: multiperspektivische und multimediale Ansätze werden genutzt, um scheinbar wohletablierte Annahmen zum Hergang chinesischer Geschichte in Frage zu stellen: oral history, close und conjunctive readings von Bild, Text und Musik, Zugänge aus den Digital Humanities und nicht zuletzt der multidisziplinäre Dialog mit Wissenschaftlern, die auf andere Regionen als China spezialisiert sind, stehen dabei im Zentrum ihrer Tätigkeiten am Institut für Sinologie und am Heidelberger Centrum für Transkulturelle Studien. In ihren Forschungsarbeiten fragt sie nach den Funktionen von kultureller Produktion im täglichen (historischen) Erleben und ihre (affektive) Überzeugungskraft und Persistenz im kulturellen Gedächtnis: von der klassischen Musik über die Print- und Presselandschaft der Shanghaier Moderne, zur Propagandakunst, vom Drei-Zeichen-Klassiker über den Kannibalismus als Topos in der chinesischen Literatur zur Produktion globaler Helden wie Gandhi und Mao, betrachtet sie gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen Marina Rudyak (MA: Die Rolle Chinas in der internationalen Entwicklungshilfe), Emily Graf (MA: Autorenmuseen in transkultureller Perspektive: Schiller, Lu Xun, Lai He) und Liying Sun (Dr.: Hollywood in Shanghai) ein breites Spektrum von Quellen, die von unterschiedlichsten Formen der Mehrstimmigkeit geprägt sind. Ihr besonderes Anliegen ist die Förderung der Beschäftigung mit Taiwans Geschichte und Gegenwart.

 

Arbeitsbereich "Kultur und Geschichte des neueren China im ostasiatischen und internationalen Kontext"

Prof. Dr. Gotelind Müller-Saini |  

China ist nicht nur in sich äußerst vielgestaltig, sondern auch eingebunden in regionale und internationale Zusammenhänge. In ihrer Arbeit beschäftigt sich Gotelind Müller-Saini allgemein mit chinesisch-japanisch-westlichen (inklusive chinesisch-russischen) kulturellen Austauschprozessen. Im Einzelnen beinhaltet ihre Arbeit Themen wie aktuelle Repräsentationen chinesischer wie nicht-chinesischer Geschichte in Chinas Schulen und Medien, Ansätze zu einer regionalen Geschichte „Ostasiens“, Kulturvermittler als historische Akteure, Transferprozesse kultureller Konzepte und Begriffe, chinesisch-japanische Kulturbeziehungen seit dem 19. Jahrhundert, Sprachpolitik in China, die Rolle von Buddhismus und Christentum in der Moderne, sowie politisch-kulturelle Bewegungen des späten 19. und des 20. Jahrhunderts. Ihr Mitarbeiter Dr. Viatcheslav Vetrov ergänzt dies durch einen Fokus auf chinesisch-westliche und chinesisch-russische Austauschprozesse im Feld von Literatur, Literaturkritik, Philosophie und Anthropologie.

 

Arbeitsbereich "Wissens- und Kulturgeschichte China"

Prof. Dr. Joachim Kurtz |  

Chinas Weisheit erschöpft sich keineswegs in den vermeintlich zeitlosen Einsichten eines oft und gern missbrauchten Konfuzius. Vielmehr steht die chinesische Geistes- und Wissenschaftsgeschichte der europäischen in ihrer Vielfalt, Radikalität und Widersprüchlichkeit keineswegs nach. Diesen Reichtum in seinen sozialen und kulturellen Bezügen zu erschließen ist das Ziel von Lehre und Forschung im Arbeitsbereich von Joachim Kurtz. Seine Arbeiten kreisen um Fragen der Produktion, Verbreitung und Übersetzung von Wissen ganz unterschiedlicher Art — von Philosophie, Logik und Naturwissenschaften bis zu Literatur und Politik — innerhalb von und im Austausch zwischen Kulturen, Regionen, Sprachräumen und Milieus. Laufende Projekte befassen sich u.a. mit Praktiken der Argumentation, dem Wandel von Zeitvorstellungen, und Transformationen der chinesischen Buchkultur. Ergänzt wird das Team durch Dr. Martin Hofmann, der sich mit der chinesischen Wissenschaftsgeschichte seit dem 10. Jahrhundert, mit besonderen Schwerpunkten auf der Geschichte der Kartographie und dem Verhältnis von Text, Bild und Kommentar, beschäftigt und Dr. Pablo Blitstein, der den Beziehungen zwischen Literatur und Politik vom chinesischen Mittelalter bis in die Gegenwart nachgeht und untersucht, wie literarische Praktiken soziale Wirklichkeiten prägen.

 

Arbeitsbereich "Politik, Wirtschaft und Gesellschaft des heutigen China"

J.Prof. Dr. Anja Senz |  

China ist durch seine dynamische Wirtschaftsentwicklung ein Land im Umbruch. Anhand verschiedener Politikfelder wie ländliche Entwicklung , Umweltschutz, Korruptionsbekämpfung, Arbeitsmigration, trans-lokale Beziehungen und die Gestaltung der chinesischen Außenbeziehungen untersucht Anja Senz, wie sich Normen, Regeln und Standards in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft verändern und sich insbesondere lokale Politik und Verwaltung an neue Herausforderungen anpasst. Dabei geht es ihr darum, auch in international vergleichender Perspektive die gesellschaftlichen Bedingungen politischer Ordnung, den Ablauf politischer Entscheidungsprozesse, die Wirkung von Politik auf Gesellschaft und die Wechselwirkungen zwischen Politik und Wirtschaft zu analysieren und einzuordnen. Mit ihrem Team interessiert sie sich dafür, wie sich Chinas Beziehungen zu anderen Ländern gestalten. Untersucht werden hier Aspekte der sino-japanischen Beziehungen („Inselstreitigkeiten“) sowie die Folgen regionaler Kooperation in der Grenzregion Südwestchina, Myanmar, Nordostindien, Bangladesch („südliche Seidenstrasse“).

 

 

Zuletzt bearbeitet von: SV
Letzte Änderung: 27.10.2016
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